Endlich wieder mal etwas mehr Zeit und ich surfe abends im Netz. Dabei bin ich auf einen Artikel bei grenzwissenschaft aktuell gestoßen, in dem der russische Astronom Andrey Finkelstein über das sowjetische UFO-Forschungsprogramm berichtet und konstatiert, „dass wir noch nie von von Außerirdischen besucht wurden.“ Nunja, möglich…
Eine ganz andere Position nimmt Alfred Webre ein, der ein Buch über „Exopolitik“– die Lehre von den Beziehungen zwischen Menschen und Außerirdischen– geschrieben hat und dem Vice Magazine ein Interview gegeben hat, das sich recht abenteuerlich liest. Nagut, kann sein, prüfen kann ich seine Statements genauso wenig wie die Finkelsteins.
Dennoch ist es aus meiner Perspektive erstaunlich, dass Wissenschaftler, die am Fortschritt der Menschheit arbeiten, den Fortschritt selbst nicht als einen (mehr oder weniger) kontinuierlichen Prozess auf der Zeitachse betrachten, sondern sich selbst als die Spitze des Fortschritts sehen – in diesem Fall tatsächlich universell. Es ist keine Frage, dass die Wissenschaft in den letzten Jahrhunderten enorme Fortschritte gemacht hat, im Vergleich zum Alter der Menschheit insgesamt, ist das aber wirklich nur ein winziger Zeitabschnitt. Bereits in dieser Zeit gab es mehrere Revolutionen in den Wissenschaftsdisziplinen und einige dieser Umbrüche sind in der Theorie noch immer nicht integriert worden.
Anders gefragt: wer an den Fortschritt glaubt oder ihn als Grundannahme voraussetzt, sollte davon ausgehen, dass unser Wissensstand in 20 Jahren sich von dem in 200 Jahren und in 2000 oder 20.000 Jahren deutlich unterscheiden wird (vorausgesetzt, die Menschheit existiert dann noch in einer zivilisatorischen Form). Und das als naheliegend angenommen, sollten sich auch unsere technischen Möglichkeiten erheblich von denen heute unterscheiden. Dabei anzunehmen, dass dieser Fortschritt über Jahrhunderte als ein rein kontinuierlicher Prozess der rein quantitativen Wissensanreicherung ablaufen wird, dem kann ich im Grunde nur einen Blick in die Geschichte der letzten vier- fünfhundert Jahre empfehlen oder etwas Dialektikstudium. Irgendwann werden die bestehenden Theorien verworfen oder als Spezialfälle in umfassendere Systeme integriert werden müssen. Und es ist eine Frage der Zeit, dass auch diese Systeme wiederum völlig neu gedacht werden müssen. Alle Wissenschaften basieren auf einer recht wackeligen Vorstellung von Raum und Zeit und selbst die Biologie hat keine klare Vorstellung davon was Leben ist. (Definitionen sind keine Konzepte.) Impulse, diese für unsere Weltwahrnehmung basalen Annahmen neu zu denken und zu verstehen, kamen bisher eher von Exoten wie Schrödinger, B. Heim, Kosyrev oder V. Flusser.
Eine Zivilisation, die uns ein paar Jahrtausende voraus ist oder deren „Fortschritt“ ganz anders abgelaufen ist als der menschliche, sollte durchaus in der Lage sein, technisch etwas anderes zu bewerkstelligen als mit Raumfahrzeugen a la Space Shuttle Jahrtausende lang auf der Suche nach Leben durch das All zu jetten. Ich finde diese Vorstellung eher naiv, sie scheint aber tatsächlich seit der berühmten Drake-Gleichung die Annahme ernstzunehmer Forscher zu sein. Ich reite ja auch nicht nach Athen, um die Akropolis zu sehen, ich nehme den Zug – und vielleicht haben sie auch schon davon gehört, es gibt auch Metallvögel, in deren Bauch man nach Griechenland fliegen kann.
Vielleicht ist es viel sinnvoller die Frage einfach einmal umzudrehen, und die Wahrscheinlichkeit zu bestimmen, dass wir von anderen Zivilisationen noch nicht entdeckt und besucht wurden. Diese Bestimmung können wir allerdings nur aus unserem Horizont heraus machen – „wissenschaftlich“ jedenfalls… Ich habe es mal mit normalem Nachdenken versucht und angenommen, das Leben ist universell und bringt intelligente Strukturen hervor, die mehr als Überlebenswissen weitergeben und Konzepte von Welt hervorzubringen imstande sind, dann werden sie irgendwann mit ihren Nachbarn in Kontakt treten oder sich dort erst einmal umsehen. Und vielleicht sind sie uns ein paar Jahr(-tausende) voraus oder haben andere Sinne und Fähigkeiten als wir entwickelt, die wir sehr dem Materiellen verhaftet sind.
Erich von Däniken soll auf die Frage eines Journalisten, warum die Außerirdischen noch keinen Kontakt zur Menschheit aufgenommen haben, mit großer Verwunderung zurück gefragt haben: Würden Sie mit Ameisen diplomatische Beziehungen aufnehmen?
Und mal ganz nüchtern betrachtet: würden Sie zur Menschheit Kontakt aufnehmen, wenn Sie vorher die Nachrichten gesehen haben?