Verfasst von: horicon | September 9, 2007

Die US-Notenbank Federal Reserve

Ein Wirtschaftsfachbuch über die Geschichte und die Auswirkungen des Zentralbanksystems in den Vereinigten Staaten wird, von Fachleuten und interessierten Laien abgesehen, niemanden dazu bewegen, sich durch knappe 670 Seiten zu kämpfen. Aber dieses Buch ist mehr und es ist anders als es vermuten lässt. G. Edward Griffin ist dem Leser vielleicht schon als Autor von „Eine Welt ohne Krebs“ bekannt. Er nimmt sich gerne brisanter Themen an und kann sie in ihrer Komplexität allgemein verständlich darstellen. Das ist ihm hier wiederum gelungen und entstanden ist ein nur knapp 700 Seiten kurzer historischer Krimi über Finanzen, über Banken, Wirtschaft und Politik, über Verschwörungen und Kriege, den sie unbedingt lesen sollten. Dieses Buch ermöglicht dem Leser einen anderen Blick auf die Weltgeschichte der letzten 200 Jahre, ja es zwingt ihn dazu. Dieser Kriminalroman ist nicht der überbordenden, paranoiden Phantasie des Autors entsprungen, er basiert auf Tatsachen. Allerdings ist die Geschichte so unglaublich, dass sie fast unglaubwürdig erscheint. Griffin holt deshalb weit aus und hat eigentlich vier Bücher in einem zusammengefasst.
Der erste Teil ist eine kurze Abhandlung über das Geld als der Basis des Bankwesens und der Währung. Im zweiten Teil wird belegt, wie Zentralbanken (also auch FED) zu Katalysatoren für Kriege werden. Die Geschichte des Zentralbankwesens in den Vereinigten Staaten wird im dritten Teil untersucht und der vierte Teil wendet sich der Analyse und Wirkungsweise der FED nach ihrer Gründung 1913 zu. Griffin hat den gesamten Stoff logisch in Kapitel strukturiert und gibt zu Beginn jedes Kapitels eine Kurzübersicht und am Ende eine Zusammenfassung. Das erleichtert das Lesen enorm, der Überblick bleibt erhalten und es ermöglicht theoretisch auch das Überspringen von Kapiteln ohne den Zusammenhang zu verlieren. Diese Strukturierung ist so leserfreundlich, dass sie Pflicht werden sollte.
Alle spröden Fachbegriffe weitgehend umschiffed, wird dem Leser ermöglicht, den Weg des Geldes von seiner Entstehung als allgemeines Tauschmittel bis zu den heutigen Milliarden-Kreditvergaben an Staaten durch den IWF/Weltbank zu verfolgen. In erster Linie, so macht er deutlich, basiert Geld auf der Anerkennung als Währung durch den Bürger – und eigentlich nur darauf. Gold und Silber waren früher akzeptierte Währungen, manche Banken gaben eigenes Geld heraus, aber prinzipiell sind auch Lebensmittel, Zigaretten oder Regionalgeld möglich. Das staatliche Papiergeld müssen wir dagegen per Gesetz annehmen. Wie konnte es dazu kommen? Konspirativ hat ein Kartell von Banken das FED-Zentralbanken-System in den Vereinigten Staaten vorbereitet und politisch eingefädelt. Entgegen der seriös klingenden Bezeichnung Federal Reserve System ist es aber weder staatlich noch gibt es Reserven. Die Zentralbank erschafft, den Alchemisten gleich, Geld aus dem Nichts – genauer: aus Schulden. Würden also alle Schulden abgezahlt, verschwände das gesamte Geld. Dieses Kartell hat sich das Privileg der Zinseinnahmen auf das selbst geschaffene Papiergeld gesichert, der amerikanische Kongress hat dafür Zugang zu einem praktisch unbegrenzten Geldvorrat. Eine unheilige Partnerschaft zwischen Banken und Politik, bei der beide gewinnen! Wer sind die Verlierer? Die künstliche Ausweitung des Geldvorrates durch das Drucken von Papiergeld ist Ursache der Inflation und eigentlich eine versteckte Steuer. Diese Entwicklung geht, wie die Geschichte zeigt, nicht ewig gut, sondern führt irgendwann zu Wirtschaftskrisen und einer Abwertung des Geldes. Damit werden die Staatsschulden schlagartig minimiert und die Bürger quasi enteignet. Das FED hat zwar für die Stabilität des Dollars zu sorgen, trotzdem hat der Dollar seit Einführung des Zentralbank-System 95 % seines Wertes eingebüßt. Verwundert? Das hat weder mit Zufall noch mit mangelnder Intelligenz zu tun. Für Griffin sind Verschwörungen die Norm und nicht die Ausnahme und er belegt das ausführlich und spannend – von der Unterstützung kommunistischer Revolutionen durch das CFR über den Untergang der „Lusitania“ bis hin zur Finanzierung von Diktatoren und Kriegen durch Weltbank und IWF. Wozu Kriege mit Waffen führen, wenn Staaten über Kredite einfach und viel unauffälliger zu kaufen sind?
Als Ergebnis dieser Entwicklung zeichnet sich die Schaffung einer Neuen Weltordnung mit einer Weltregierung und einer Einheitswährung ab. Unsinn? Ich hoffe immer noch die Frage bejahen zu können, aber Griffin liefert zu viele Fakten, die das Gegenteil belegen.
Sieben Gründe für die Abschaffung des Federal Reserve Systems bilden die Anker des Buches: es ist ein Kartell gegen das öffentliche Interesse, es destabilisiert die Wirtschaft und ist unfähig, die selbst gesteckten Ziele zu erreichen. Es ist ein wesentliches Instrument des Zinswuchers und erzeugt mit der Inflation die unfairste Steuer. Darüber hinaus ermutigt es zu Kriegen und ist ein Instrument des Totalitarismus. Jeder einzelne der sieben Gründe allein wäre schon ausreichend, um dieses System sofort zu beenden. Erschreckt stelle ich am Ende fest, dass dieser Spuk noch lange nicht vorbei ist. Im Gegenteil - wir alle sind mittendrin und sehr wahrscheinlich steht uns das Schlimmste noch bevor. Der Leser kann viel Zeit mit der Lektüre dieses Buches vergeuden, wenn er gute Nachrichten erwartet oder den Glauben von Politikern, Experten und Kommentatoren teilt, dass alles gut wird.
Griffin ist ein Liberaler – waschecht bis 100 °C - der an den freien, selbstbestimmten Bürger und den freien Wettbewerb glaubt. Der Staat sollte sich auf den Schutz des Lebens, der Freiheit und des Eigentums beschränken. Der freie Markt reguliert sich selbst und staatliche Einmischung erzeugt erfahrungsgemäß mehr Probleme als sie löst. Gehen also z.B. einige Banken in den Konkurs, ist das Geld für die Einleger weg und er hat Pech gehabt. Allerdings bleibt ein Bankenkonkurs erfahrungsgemäß regional begrenzt und wird nie zu einem Flächenbrand, der eine gesamte Währung in Asche legt. Die Bankkunden werden sich sehr schnell und intensiv mit der Seriosität ihrer Bank auseinander setzen (müssen), denn es geht immerhin um ihr Geld. Selbstverantwortung des Bürgers ist die eine Seite dieses Liberalismus, Selbstbestimmtheit des Bürgers die andere. Finanzen und Geld dürfen nicht die Domänen von Experten und Politikern bleiben, sie gehen den Bürger an. Nur deshalb konnte er wahrscheinlich dieses Buch über eine so komplexe Materie wie diese „ Geheimwissenschaft des Geldes“ schreiben, von der die meisten Menschen glauben, dass sie sie sowieso nicht verstehen. Doch, es geht. Dieses Buch ist deshalb ein aktueller Beitrag zur Aufklärung als eines „Ausgangs des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ (Kant)

Die Kreatur von Jekyll Island. Die US-Notenbank Federal Reserve
G. Edward Griffin
Jochen Kopp-Verlag (Rottenburg) 2006
672 Seiten, ISBN-10: 3938516283, ISBN-13: 978-3938516287
Preis: 29,90 €

Antworten

Absolut lesenswert.
Kleiner Wehrmutstropfen - da er die Freiwirtschaft von Silvio Gesell (und deren Weiterentwicklung - die regionalwährungen) wohl beim Schreiben des Buches noch nicht kannte, schlägt er eine Rückkehr zur Golddeckung vor.

[...] führt mich zu der nüchternen Frage: Kann das gut gehen, und wenn ja, wie lange noch? Griffin hatte in seinem Buch über die US-Notenbank (leider) doch recht. Hier noch ein paar Belegstellen [...]

[...] Grundlagen unseres Finanzsystems habe ich hier in einer Rezension zu verdeutlichen versucht. Logisch daraus folgt ein Dilemma der Notenbanken. Es [...]

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