Politik, Wissenschaft und Massenmedien versorgen sie mit allen Informationen, die sie benötigen. Wenn sie mit dieser Sicht auf die Welt zufrieden sind, brauchen sie nicht weiter zu lesen.
Wenn nicht, empfehle ich ihnen „Heimliche Herrscher“ des amerikanischen Journalisten Jim Marrs, das jetzt in deutscher Übersetzung vorliegt. Darin geht es um Geheimnisse von Regierungen, inoffizielle Geschichte und heimliche Religion genauso wie um Verschwörungen zur Erlangung von Reichtum, Macht und Kontrolle. Marrs schlägt er einen sehr weit gespannten Bogen – von heutigen international agierenden Geheimgesellschaften über Verschwörungen, Kriege und Revolutionen in der Neuzeit, ältere Geheimbünde im Mittelalter bis hin zu den antiken Mysterien im Mittelmeerraum und den Ursprüngen des Menschen im Zweistromland. Er fasst er viele Quellen zu einzelnen Themen in einem Buch zusammen und deshalb ist es als Einführung und als Übersicht zu diesem Themenkomplex bestens geeignet. Aber Marrs schafft es auch immer wieder, neue Informationen und Aspekte einzufügen und „historische Ereignisse“ wie z.B. den Sturm auf die Bastille zu entzaubern. Für mich wurde es ab dem Mittelalter wirklich interessant, wo v.a. die Tempelritter neben Katharern und Merowingern im Zentrum stehen. Waren die Templer wirklich vor Kolumbus in Amerika. Es sieht so aus. Hat Amerika seinen Namen vielleicht von einer unter Templern kursierenden Legende? Klingt einleuchtend. War die berühmte Seefahrerschule von Heinrich dem Seefahrer ein Unterschlupf für geflüchtete Templer? Auch das ist wohl sehr wahrscheinlich. Bei einem Portugal-Urlaub hatte ich diese Seefahrerschule gesehen und mich gefragt, wieso Kolumbus entgegen der herrschenden Meinung so sicher war, mit seinen Schiffen nicht über den Rand der Weltscheibe zu fallen. Was wusste er? Den größten Sprengstoff birgt allerdings der letzte Abschnitt von der römischen Antike bis hin zu den Legenden des Zweistromlandes. Die Ursprünge der antiken Mythen und biblischen Geschichten gehen auf das Zweistromland zurück und hier werden die Thesen von J. Sitchin ausführlich kommentiert.
Marrs beschreibt den inoffiziellen, den geheimen und geleugneten Teil der Geschichte. Zweifellos gibt es zu jedem einzelnen Thema detaillierte Abhandlungen, manches wird der Leser vielleicht kennen, aber Marrs will Geschichte aus einem erweiterten Blickwinkel ermöglichen. Der Leser soll einen Schritt zurück treten um Überblick zu gewinnen. Das ist die Stärke dieses Buches und damit füllt er eine Lücke. Das liest sich immer unterhaltsam, meist sogar spannend und ein Wissenszuwachs ist sehr wahrscheinlich. Geheimhaltung und Verschwiegenheit sind das „Bindegewebe“ unserer Geschichte. Per definitionem ist die Quellenlage bei diesem Thema problematisch, so dass es eine mühevolle Arbeit ist, die Hinweise und Zusammenhänge aufzudecken, kritisch zu bewerten und zu belegen. Manches bleibt ungewiss. Dennoch festigt sich beim Lesen der Gesamteindruck, dass in der Geschichte nicht allein der Zufall wirksam ist. Vielmehr scheint das Gesetz von Ursache und Wirkung auch in der Geschichte wirksam zu sein. Dialektik ist sicher älter als Hegel und Marx und wer es versteht, diese Dialektik nicht nur auszunutzen, sondern anzuwenden, hat die Möglichkeit einer nahezu „unsichtbaren“ Steuerung des Geschehens.
Was aber ist der „rote Faden“ in dieser Geschichte und was ist das Ziel? Das Wissen um den einen Gott und das Bewusstsein, das unsere Existenz über das Materielle hinausgeht, sind nach Marss der Kern der jahrtausendealten Traditionen der Geheimgesellschaften. Damit standen sie immer in Opposition zu Kirche und Nationalstaat und wurden entsprechend bekämpft. Die metaphysischen, spirituellen Aspekte werden von Marrs bewusst ausgeblendet, weil sie den Rahmen dieses Buches sprengen würden. Dennoch liegt genau hier der Schlüssel zum Verständnis der Ziele. Wofür soll die Welt in einer NWO vereint werden – zur totalen Kontrolle durch dunkle Mächte, zur Vorbereitung auf eine außerirdische Invasion oder vielleicht doch für einen kollektiven Bewusstseinssprung der Menschheit? Diese Frage bleibt offen. Ein gesundes Misstrauen in die Macht, Widerstand gegen Zwang, Manipulation und Täuschung gepaart mit Wissen und eigenem Engagement sind die Säulen der Freiheit. Die gute Nachricht dabei: „Wir sind in der Mehrzahl.“
Jim Marrs: Heimliche Herrscher: Wie verborgene Mächte das Schicksal der Menschheit bestimmen
ISBN 978-3-938516-41-6, 512 Seiten, gebunden, 2007
Preis: € 19.90