Verfasst von: horicon | 20. September 2007

Dilemma der Notenbanken

Das Problem der derzeitigen Finanzkrise hat sehr viel mit den Notenbanken zu tun, die in einem Dilemma stecken: Greifen sie nicht ein, dann besteht die Gefahr eines Währungskollapses, weil mehrere (Groß-)Banken gleichzeitig insolvent werden könnten – mit voraussichtlich tiefgreifenden Folgen für die Wirtschaft. Greifen sie jedoch ein, dann kann jeder wild spekulieren, weil er ja sowieso durch die öffentliche Hand gerettet werden wird, wenn es nicht klappt. Wenn es klappt, hat er verdient und bezahlt (bestenfalls) Steuern.
Jeder kann jetzt selbst seinen Kopf benutzen und sich einfach fragen, ob die Politik eine weltweite Wirtschaftskrise durch einen möglichen Finanzkollaps riskieren wird. Recht unwahrscheinlich aus meiner Sicht. Dann kann jeder weiter überlegen, wie ein Spekulant in dieser Situation handeln würde. Genau, ermacht weiter – ein kurzer Blick und er stellt fest, dass das Auffangnetz weiterhin da ist. So sehen denn auch die aktuellen Indices und Kurse aus.
Diese Entwicklung kurz in die Zukunft weitergedacht, führt mich zu der nüchternen Frage: Kann das gut gehen, und wenn ja, wie lange noch? Griffin hatte in seinem Buch über die US-Notenbank (leider) doch recht.
Hier noch ein paar Belegstellen aus der FTD zu diesem Thema:
„….Es ist nicht auszuschließen, dass die eine oder andere Bank kollabiert. Die Folge könnte eine Bankenkrise mit möglicherweise dramatischen Folgen für die Volkswirtschaft sein.
In den Notenbanken ist derzeit oft das Argument zu hören, mehr sei nicht drin. Es sei nicht Aufgabe einer Zentralbank, das Finanzsystem zu stützen – zudem bestehe die Gefahr, dass die Investoren Risiken nicht angemessen berücksichtigen, wenn sie immer wieder von der öffentlichen Hand mit billigem Geld gerettet werden….“

„Walter Bagehot, der berühmte Chefredakteur des Magazins „Economist“, forderte schon 1873 klare Kriterien für Stützungsaktionen durch die Notenbank. Doch moderne Forscher sind sich einig, dass das gleich aus mehreren Gründen gefährlich wäre.
Erfahrung mit solch klaren Ankündigungen sammelten die Vereinigten Staaten. 1984 erwarb die US-Regierung Anteile an der Continental Bank. Die achtgrößte Bank war zahlungsunfähig. Der Comptroller of the currency, dem in den USA die Bankenaufsicht zufällt, gab in einer Stellungnahme gegenüber dem Kongress zu verstehen, dass neben Continental alle elf großen Banken für das Bankensystem des Landes „essentiell“ seien. Daraufhin veröffentlichte das „Wall Street Journal“ eine Liste mit Finanzinstituten, die faktisch unter Konkursschutz standen – mit weitreichenden Folgen für den Aktienkurs und die Risikoprämien, wie Donald Morgan und Kevin Stiroh von der Federal Reserve Bank of New York in einer Studie nachwiesen. Selbst noch in den 90er Jahren, nach mehreren Reformen des Aufsichtsrechts, profitierten große Banken von einem Aktienkursaufschlag und niedrigeren Risikoprämien auf ihren Anleihen als ihre kleinere Konkurrenz, zeigten Morgan und Stiroh. „Die Investoren rechnen damit, dass die Banken gerettet werden. Das schwächt die Marktdisziplin, weil die Anleger einen geringeren Anreiz haben, Risiken zu bewerten und sich adäquat vergelten zu lassen“, schrieben die Forscher in einer wegweisenden Studie.“


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