Verfasst von: horicon | Dezember 13, 2007

Kulturen - balancierte Systeme?

Ein Apokalyptiker bin ich nicht unbedingt, aber ein Kulturpessimist schon und dazu habe ich eine kleine Theorie aufgestellt. Diese Theorie der Selbstvergiftung von Kulturen mag zwar zunächst witzig klingen, aber ich habe die Befürchtung, dass an ihr mehr als nur ein Körnchen Wahrheit ist.

Große Zivilisationen, die oft mehrere Jahrtausende überstanden, haben sich häufig in Flusstälern niedergelassen. Wir kennen das aus dem alten Ägypten genauso wie aus dem Zweistromland, aber auch aus Indien, und selbst Deutschland scheint entlang der großen Flüsse besiedelt worden zu sein.
Bei den jährlichen Hochwassern wurden weite Teile dieser Flusstäler überschwemmt und das hat ganz zweifellos den Acker sehr fruchtbar gemacht. Wenn wir jetzt aber nicht tendenziell nur in Kategorien eines Mehr denken, sondern in Kategorien der Balance, dann stellen wir schnell fest, dass auch ein Großteil des ganzen Mülls dieser Kultur einfach einmal im Jahr weggeschwemmt wurde. Menschen und ihre Kultur erzeugen physische Abfälle (zu deutsch: Scheiße und Müll), die wieder in den Kreislauf der Natur zurückgeführt und abgebaut werden müssen, um die Balance aufrecht zu erhalten. Dieser Abbau des Mülls dauert einige Zeit und lässt sich auch mit Technik nicht beliebig verkürzen. Zugleich ist die Konzentration von Müll eine mögliche Quelle von Verschlackung bis hin zur Vergiftung.
Das Frühjahrshochwasser in diesen Zivilisationen hat dieses Problem ganz natürlich gelöst und alles, was nicht vorher in Sicherheit gebracht wurde oder einfach nur liegen blieb, weggespült und wieder in den großen Kreislauf der zurück geführt.
Was jedoch passiert, wenn die Flüsse mit Staudämmen “gebändigt” und in eine vom Menschen entworfene Form gezwungen werden? Dazu lohnt es sich sicher, bei Viktor Schauberger nachzulesen. Mir geht es hier jedoch darum, dass der angefallene Müll des Jahres nicht mehr abtransportiert werden kann, wenn das Frühjahrshochwasser blockiert wird. Der natürliche Selbstreinigungsprozess wird unterbrochen und es sammeln sich die Abfälle vieler Jahre an.

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Um diese These konkret zu untersetzen: Menschen gehen im Normalfall einmal täglich auf die Toilette, um die Verdauungsreste abzugeben. In Großstädten kam man irgendwann auf die Idee, diese Exkremente zu sammeln und Rieselfelder anzulegen. Diese Konzentration war für die Natur zu viel. Es hat sich in der Erde eine feste Schicht gebildet, die quasi undurchlässig ist, so dass diese Rieselfelder heute extrem nährstoffarm sind und nicht wieder bewirtschaftet werden können. Eine scheintote Landschaft ist entstanden, die mit der Erde nur noch minimal stoffwechselt.
In Österreich, wurde mir gesagt, dürfen Bauern nur soviel Vieh halten, wie sie es mit eigenem Land versorgen können. Das bedeutet umgekehrt auch, dass sie nur soviel Vieh halten, wie ihr Land die Abfälle verkraftet. Eigentlich recht einfach und verblüffend einleuchtend. Dagegen sind geplante Schweinemastfabriken mit 3 Etagen einfach Unsinn.

In unserem menschlichen Bestreben gegen die Entropie Ordnung zu schaffen, entwickeln und produzieren wir immer mehr und immer komplexere Güter mit einer langen Lebensdauer, die natürlich abzubauen Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte dauern wird. Es sammelt sich kurz gesagt Müll an wie in einer Wohnung, in der man Jahrzehnte gelebt hat. Und dabei verschlacken wir zuerst und dann vergiften wir uns. Die Hormone aus den Antibabypillen sind seit langem im Wasser nachweisbar und sorgen dafür, dass wir mehr weibliche als männliche Fische in unseren Gewässern haben. Dummerweise wirken bereits extrem niedrige Konzentrationen auch auf das menschliche Hormonsystem. Vielleicht ist es kein Zufall, dass in Großstädten, die ihr Trinkwasser aus der Umgebung beziehen, so wenig Kinder geboren werden, weil das Hormonsystem der Männer aus der Balance geraten ist…
Die Nanobeschichtungen für Boote, die einen Algenbewuchs verhindern sollten, sind schnell wieder aus dem Verkehr gezogen worden, weil sie ähnliche Wirkungen haben. Das Gleiche gilt für die Weichmacher in Plastikprodukten, die auf das menschliche Hormonsystem einwirken.
Plastikprodukte sind ohnehin ein Problem, denn deren Abbau wird sehr lange dauern und wenn sie glauben, dass ihr “gelber Müll” recycelt wird, muss ich sie enttäuschen: das meiste davon wird schlicht verbrannt oder landet auf der Kippe. Für technische Geräte, wie PCs, Handys, Musikanlagen gilt gleiches. Die dabei eingesetzten Stoffe sind häufig sehr wertvoll und häufig auch sehr schädlich und werden nicht alle wieder recycelt, sondern landen auf dem Müll und irgendwann im Grundwasser.
Das System Mensch ist darauf angelegt, äußere Einflüsse aufzunehmen, zu verarbeiten und darauf zu reagieren. Aber irgendwann ist ein Stresslevel erreicht, in dem keine adäquate Reaktion mehr möglich ist. Dieser Level ist von Mensch zu Mensch sicher unterschiedlich, aber genauso sicher ist, dass es Grenzen gibt. Wir können natürlich auch versuchen festzustellen, wo diese Grenzen liegen - bis wir einen Teil der Weltbevölkerung ausgerottet haben. Aus Dummheit und Ignoranz.
Die Römer mit ihren Bleileitung für Wasser und Geschirr aus Blei sind ein schönes Beispiel, wie man sich effektiv und lautlos selbst in den Untergang treibt. Die neben den Friedhöfen gelegenen Brunnen im Mittelalter und der frühen Neuzeit sind ebenfalls gut geeignet, diese These zu belegen.
Heute leben wir in einem Meer von technischen Strahlungen, die es vor hundert Jahren noch nicht gab und ich hege Zweifel, ob die Evolution so fix war, dass wir heute damit problemlos umgehen können. Zwar lebt der Mensch schon immer in einem natürlichen Strahlungsfeld, aber wir wissen heute, dass z.B. die Sonnenwinde, die die Erde treffen, auch Auswirkungen auf das menschliche Bewusstsein haben. Manche Wellnessprodukte, Mind Machines und medizinische Geräte beruhen auf diesem Prinzip.
Der menschliche Körper
bracht ebenfalls nicht nur Zufuhr von Nährstoffen, sondern auch eine Abführung - wie sie ja sicher täglich feststellen können. Fastenkuren (im Frühjahr) zur gründlichen Reinigung des Körpers und Bitterstoffe zur Leberentgiftung sind zwar in alternativen Kreisen sehr beliebt, aber kein praktisch angewandtes Allgemeingut. Eine regelmäßige “Grundreinigung” scheint für Systeme notwendig zu sein, wenn sie lange gut funktionieren sollen. Das betrifft scheinbar eben nicht nur biologische Systeme, sondern auch kulturelle und technische Systeme wie ihren PC, der sonst immer langsamer wird.

Letztlich stelle ich auch einmal die Frage in den Raum, inwieweit auch geistige Kulturprodukte irgendwann zu einer “geistigen Verschmutzung” führen. Oder anders ausgedrückt: der kulturelle Kanon wird immer wieder neu definiert und dennoch bleibt vielleicht einfach zu viel Müll übrig und “verschlackt” unsere Köpfe. Wir können einfach nicht mehr zwischen Zeitlosem und Modischem unterscheiden. Es ist schon erstaunlich für mich, dass wir die Stadtschlösser in Potsdam und Berlin wieder aufbauen wollen, statt voller Selbstvertrauen neue, moderne, architektonisch anspruchsvolle Bauten an deren Stelle zu setzen.

Die Thesen beruhen auf Analogieschlüssen und basieren auf dem Denkmodell eines “Systems”. Das kann man kritisieren, aber mein Ansatz zielt darauf, mit diesem Modell Wirklichkeit zu erfassen und zur Diskussion zu stellen. Systeme werden in meinem Modell immer als offen und mit der Welt kommunizierend und interagierend gezeigt - in stofflicher Hinsicht wie in geistig-kultureller, sozialer und psychischer (und vielleicht sogar spiritueller). Dieser Austausch - ein Geben und Nehmen - muss in einer Balance sein, sonst kommt es zu Störungen in Form von Verschlackung und letztlich Vergiftung. Unser menschliches Handeln zielt eher darauf, viel “Schlacken” zu produzieren, um gegen die natürliche Entropie zu rebellieren. Existenzialisch gesehen, ist das eigentlich unsere Weigerung, den Tod anzuerkennen. Wir weigern uns, in natürlichen Kreisläufen zu denken und uns als Menschen, als Kultur und als Menschheit als einen endlichen Teil der Welt zu verstehen.
Die letztlich spannende Frage, wie man einen Kopf oder eine Kultur entschlackt, wird vielleicht durch den Tod ganz einfach gelöst…..

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