Verfasst von: horicon | 19. September 2008

Ellen Hodgson Brown: Der Dollar-Crash

Ist die von Adam Smith postulierte “unsichtbare Hand“, die die Märkte quasi von selbst ordnet, gerade im Urlaub? Nein, wird Ihnen Ellen Brown sagen, sie hat sich gerade im Spielcasino verzockt. Wie es dazu gekommen ist und was die „Federal Reserve“, Investmentbanken und Hedge Fonds eigentlich tun, analysiert sie ohne Finanzfachchinesich beeindruckend klar als Betrug. Leider haben nur etwa ein Prozent der Bevölkerung etwas Ahnung von Finanztheorie, und unsere Faschingspolitiker gehören offenbar nicht dazu, denn die Krise war lange vorhersehbar und ist mathematisch berechenbar. Wenn Sie die eigenen Wissenslücken schließen wollen, dann lege ich Ihnen dieses Buch ans Herz. Besonders angenehm  hat mich überrascht, dass Ellen Brown keine typische Untergangsprophetin ist. Vielmehr, so macht sie deutlich,  sollte niemand Interesse an einem Dollar-Crash haben, der die gesamte Welt in seinen Strudel reißen könnte. Klugscheisserjubel („ich hab es ja schon immer gewusst“) ist hier fehl am Platze. Vielmehr geht es um Lösungen. Aber wie können die aussehen? Brown schlägt eine Verstaatlichung der „Federal Reserve“ und von Teilen der Privatbanken, die sowieso insolvent sind, vor. Da werden allen Marktliberalen die Haare zu Berge stehen, aber das tun sie angesichts der Finanzkrise sowieso. Fast noch eleganter fand ich ihren Vorschlag, die Tricks und Kniffe der Banken auf sie selbst anzuwenden, um die Macht über die „finanzielle Infrastruktur“ wieder in die Hand des Volkes zu bekommen. Neben nüchterner Analyse des Finanzsystems steht bei Ellen Brown auch immer der leidenschaftliche Appell an die Bürger, ihre verfassungsmäßig garantierten Rechte wahrzunehmen und Demokratie zu leben solange es noch möglich ist. Ein Dollar-Crash wäre die ideale Möglichkeit für die selbsternannte Elite, damit ein für allemal Schluss zu machen.
Während die Medien von der Finanzkrise dominiert werden, bahnt sich, ebenfalls lange absehbar, für 2009 ein Staatsbankrott der Vereinigten Staaten an, wenn die Zinszahlungen aus den Staatsschulden nicht mehr bedient werden können. Alle versuchen Skylla zu umschiffen, aber auf der anderen Seite wartet schon Charybdis. Ellen Brown schlägt vor, die FED könnte als Bundesbehörde zinsfreies Geld in Umlauf bringen und damit auch die Staatsschulden langfristig auf Null zurückfahren. Damit wirft sie grundsätzliche Fragen auf, die endlich wieder diskutiert werden müssen: Welche Aufgaben soll die Regierung übernehmen? In was für einer Gesellschaft wollen wir leben? Ist Konsumieren der Sinn des Lebens und brauchen wir grenzenloses Wachstum?

Gerechtigkeitstheoretisch ließe sich das Problem etwa so formulieren: angenommen, wir wären in der Stunde Null – wie müssten die Regeln des Zusammenlebens aussehen, damit alle die gleichen Chancen haben? Und in welchem Rhythmus brauchen wir eine neue Stunde Null, denn bei einer Zinswirtschaft wird es immer die Akkumulation von Reichtum in wenigen Händen geben und den Aufkauf einer demokratischen Gesellschaft durch eine Finanzoligarchie.

Oder müssen wir von einem „freier Wettbewerb“ genannten Gegeneinander zu einem neuen kooperativen Miteinander zwischen den Menschen und zwischen Mensch und Umwelt, kommen?

Ellen Hodgson Brown: Der Dollar Crash. Was Banker Ihnen nicht erzählen
Rottenburg (Kopp) 2008
ISBN 978-3-938516-69-0
Preis 24,95


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