Verfasst von: horicon | 4. November 2008

Alternativen – zinsfreies Geld und Josephspfennig

Zinsen sind ein Problem – ökonomisch, sozial, politisch und metaphysisch auch – und irgendwie waren die großen Weltreligionen da schon einmal weiter als wir heute, wo die Experten das Problem noch nicht einmal sehen – wollen, können oder dürfen…

Oder ganz einfach gefragt: hätte Jesus einen Cent mit normalen drei Prozent Zinsen angelegt, wieviel Geld wäre das heute? Sie haben bestimmt richtig geraten oder richtig gerechnet. Es wären gerundet 60.000.000.000.000.000.000.000.000 € – die mathematisch korrekte Bezeichnung habe ich leider nicht gelernt, das ist etwas zu viel und würde selbst den Steinbrück überfordern. Das Problem wird auch (mit einem anderen Prozentsatz) als Josephspfenning behandelt und die Diskussion der Wikipedia-Redakteure ist sehr kontrovers. Besonders spannend in der Diskussion fand ich das Argument „In der Realität sind allerdings stabile Währungssysteme, die über einen derartigen Zeitraum (von mehr als 200 Jahren) ohne größere Auswirkungen äußerer Faktoren existieren praktisch nicht vorhanden. Entsprechende Systeme brechen historisch gesehen meist deutlich früher zusammen.“ Oder anders formuliert: „Zinssysteme funktionieren, wenn Krieg, Inflation, Seuchen, Währungsreform, Katastrophen genug häufig auftreten. Sie wirken positiv auf das Zinssystem, man sollte vielleicht sagen, stabilisieren.“

Zinseszins kann in einer Gesellschaft, die kontinuierlich über Generationen hinweg leben (und überleben) will nicht funktionieren. Expotentielles Wachstum ist in natürlichen Systemen krankhaft und wird Krebs genannt.

Bernd Senf, ein liebenswert wunderlicher aber sehr klarer und tiefgründiger Volkswirtschafts-Professor aus Berlin. In einem zweistündigen  Vortrags-Mitschnitt vom 21.10.2008 erläutert er anschaulich, verständlich und zunehmend unterhaltsamer Zins, Zinseszins und Geldschöpfung.  Wer einen tieferen Einblick in die Materie haben möchte und sich nicht durch ellenlange Bücher quälen möchte, ist hier richtig! Endlich mal wieder eine Vorlesung im Sessel genießen.

INWO, die Initiative für natürliche Wirtschaftsordnung, bietet vom Einstieg in das Thema, bis hin zu wissenschaftlichen Texten das gesamte Spektrum, warum Wirtschaft mit Zins nicht langfristig funktionieren kann und wie Alternativen aussehen. Die Graphiken illustrieren das Problem sehr anschaulich.

Als Kabarett getarnt, bekommen Sie hier eine kurze Einführung in das Zinsproblem:


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