Verfasst von: horicon | 24. Januar 2009

Maya Kalender, die Transformation des Bewusstseins und 2012

Immer wenn wir die Grenzen des für Menschen Erfahrbaren überschreiten, befinden wir uns auf unsicherem Terrain. Woher haben wir Wissen über einen Bereich, der uns nicht direkt zugänglich ist – wenn es denn überhaupt Wissen ist und nicht einfach Wichtigtuerei, Unsinn oder aus dubiosen Quellen gespeister Irrwitz? Sind allein Intuition und Bauchgefühl gefragt oder gibt es vielleicht eine Art von „Wiedererinnerung“, und gilt Logik hier überhaupt noch? Unser selbstbewusstes Ich allein ist es ganz sicher nicht, das sich hier noch orientieren kann. maya_callemann
Andere Bereiche unseres Selbst werden angesprochen und kommen zu Hilfe, um in diesem Bereich, der Meta-Physik, unterscheiden zu können – das Ge-Wissen, der Geist, die Seele vielleicht. Und wenn Teile des Koordinatensystems unseres Denkens selbst, wie die Zeit, zur Diskussion stehen, dann wird es doppelt kompliziert. Wo ist hier noch Oben und Unten, wo Hinten und Vorn? Solche Denkversuche sind sinnvoll und notwendig, weil sie andere Perspektiven eröffnen und neue Horizonte in den Blick nehmen können. Sie erfordern aber Mut und ein erhebliches Maß an Größenwahnsinn. Carl Johann Callemann hat beides. Sein Buch über den Maya Kalender ist nicht primär ein Buch über 2012, es ist vielmehr der Versuch, den Maya Kalender als „Entfaltung des kosmischen Bewusstseins“ zu interpretieren. Ganz kurz gesagt ist der Plan der Geschichte für ihn ein Zeitplan, und dieser Zeitplan wird im Maya Kalender abgebildet. Das ist Geschichtsmetaphysik in einer Dimension, bei der Hegel und Nietzsche zu Gartenzwergen werden. Aber in Ordnung: große Fragen erfordern große Denker und dabei kommt es manchmal zu großen Einsichten und manchmal zu großen Irrtümern.

Im Gegensatz zu den anderen bekannten Kalendersystemen weltweit orientiert sich der Maya Kalender nicht astronomisch – also weder an der Sonne noch am Mond, noch an Planetensystemen oder Galaxien oder ähnlichem. Er ist ein spiritueller Kalender, und das heißt bei Callemann, es ist im Grunde der göttliche Schöpfungsplan. Das wollte ich schon immer mal wissen. Bitte vorlesen! Aber wie liest man einen spirituellen Kalender? Callemann unternimmt dafür einen weiten Ausflug in das analogische Denken der Hermetik und verbindet dabei Hirnforschung mit Numerologie genauso wie „geologische Psychologie“ mit Religionsgeschichte. Ich gebe zu, dass ich beim Lesen zeitweise geistig ausgestiegen bin. War es einfach Konzentrationsschwäche, bin ich einfach nicht intelligent genug, um diesen Gedankengängen zu folgen oder war es eine Art Selbstschutz? Ich weiß es nicht…. Interessant war es allemal, aber folgen konnte ich seinen Gedankengängen beim besten Willen nicht immer.

Im Prinzip ist es wohl so zu verstehen, dass der Tzolkin ein Filtermuster des Lichtes bildet, welches das Universum durchdringt. Sichtbare Realität kann nur werden, was von dem jeweils herrschenden Licht beleuchtet wird. Diese Frequenzen wirken auch direkt auf uns – auf unseren physischen Körper genauso wie auf unseren Geist. Beide müssen mit den Schwingungserhöhungen, die jetzt in immer kürzeren Abständen folgen, umgehen lernen. Für alle, die Erleuchtung suchen, ist es ab dem 15. August 2008 ja bereits leichter geworden. (Haben sie etwas bemerkt?) Jede Erhöhung der Frequenz ist zunächst Stress und erfordert eine Balance, vor allem in Form einer Harmonisierung von linker und rechter Hirnhälfte. Diese notwendige Balancierung der Hirnhälften wird sich voraussichtlich in Europa entwickeln und von dort ausbreiten. Vielleicht nicht nur, weil wir es können, sondern auch weil wir es am meisten nötig haben. Das Verstehen des Kalenders als einen Prozess der göttlichen Schöpfung kann einen Einfluss auf die Ereignisse nehmen und fordert uns als handelnde Wesen. Große Themen brauchen auch große Leser.

Wie sehr die Art des Kalenders auch das Denken und das Weltbild von Menschen prägt, war für mich die vielleicht eindrucksvollste Denkerfahrung in diesem Buch: Interpretationen des Maya Kalenders, die sich auf das vermutete nahe Enddatum im Jahr 2012 konzentrieren, unterschlagen die Erklärungskraft des Kalenders für die Beschreibung der Bewusstseinsentwicklung. Diese Ansätze orientieren sich – ganz abendländisch mit einer kontinuierlich ablaufenden Zeit gedacht – auf die Zukunft und das in jüdisch-christlicher Tradition erwartete apokalyptische Ende. „Dass das Denken eine Geschichte hat, die vom Maya Kalender bestimmt wird, ist vielleicht die wichtigste Entdeckung aller Zeiten….Zu sagen, dass das Denken eine Geschichte hat, heißt indessen zu sagen, dass die geistige Struktur, die die menschlichen Gedanken und Ideen ordnet, sich entsprechend einem genauen Zeitplan verändert.“ (S.192 f.)

Am 28.10.2011 ist nach Callemanns Berechnungen der Zyklus vollendet, und es wird kein neuer Zyklus beginnen. Die Menschen sind dann nicht mehr am Gängelband der Schöpfungsenergien und vielleicht erwartet uns an diesem Tag (bzw. Zeitraum) weder die Apokalypse noch das Paradies auf Erden, sondern es ist einfach nur der Punkt, an dem die Menschheit als Gattung endlich erwachsen wird und die Verantwortung, die sie ohnehin hat, endlich auch wahrnimmt. Es wäre an der Zeit.

Carl Johann Callemann: Der Maya Kalender und die Transformation des Bewusstseins
Verlag der EU-Umweltakademie GmbH, Rosenheim 2007, 324 Seiten
ISBN 978-3-9810728-1-5


Antworten

  1. Eine Interprätation, die wir uns wohl alle wünschen…


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