Verfasst von: horicon | 6. Februar 2009

Das Pferd ist tot – absteigen

Das Gerede über eine Bad Bank nervt langsam aber sicher. Wir erinnern uns kurz: bereits vor fast genau 6 Jahren (also 2003) haben die üblichen Verdächtigen schon zusammengesessen und dieses Thema diskutiert.  Dann kam völlig überraschend für fast alle Experten und Banker die Finanzkrise – direkt aus dem Nichts und ohne jede Ankündigung.
Allerdings wurde die HRE ja bereits als Bad Bank ausgegründet und genau an dem Tag, an dem die Schadensersatzansprüche verjähren, kommt plötzlich ans Licht, wie schlecht es der HRE geht. Zufälle gibt es -  kaum zu glauben. Weniger zufällig muss der Staat sie jetzt natürlich mit unserem Geld retten.
Jetzt jammern fast alle über Verstaatlichung und ich habe keine Ahnung, was damit gemeint sein soll. Die Banken sind de facto pleite. Der Staat kann für sie Insolvenz anmelden und sie dann ohne Entschädigung übernehmen, um den Finanzverkehr aufrecht zu erhalten und nicht mehr erpressbar zu sein.  Aber weil der Staat ja bekanntermaßen ein “schlechter Unternehmer” ist, will er auch noch etwas Geld obendrauf geben – ist ja nicht seins, sondern unser Geld.
Ach ja, das hatte ich vergessen: die Banken dürfen nicht pleite gehen… Warum eigentlich? Weil alle Banken vernetzt sind und dann ein Dominoeffekt eintritt und das gesamte Finanzsystem kollabiert, ist die offizielle Lesart. Und was bedeutet das? Machen die Banken im Wesentlichen nur untereinander Geschäfte oder sind die Geschäfte nicht ausreichend gedeckt? Bei Variante 1 hakt zwar der gesunde Menschenverstand aus, dennoch geschieht (oder geschah) genau das in einem unvorstellbaren Umfang. Variante 2 ist auch der Fall, und  obwohl das neue Bilanzierungsrecht für Finanzunternehmen den Betrug erlaubt, gibt es ein Defizit.  Unfassbarer Irrsinn? Genau.
Niemand hat von all dem gewusst, Niemand hat bei der Steuerung versagt und deshalb übernimmt Niemand auch die Verantwortung. Tja Niemand, jetzt ist Schluss!

Eine Weisheit der Dakota-Indianer sagt: „Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab.” Doch wie so oft im Leben fällt uns die Wahrnehmung einer bitteren Realität etwas schwer und wir versuchen andere Strategien:

  • Man besorgt eine stärkere Peitsche.
  • Man wechselt den Reiter.
  • Man gründet einen Arbeitskreis, um das Pferd zu analysieren.
  • Man besucht andere Orte, um zu sehen, wie man dort tote Pferde reitet.
  • Man erhöht die Qualitätsstandards für den Beritt toter Pferde.
  • Man bildet eine Task Force, um das Pferd wiederzubeleben.
  • Man schiebt eine Trainingseinheit ein, um besser reiten zu lernen.
  • Man ändert die Kriterien, die besagen, wann ein Pferd tot ist.
  • Man schirrt mehrere tote Pferde zusammen, damit sie schneller werden.
  • Man macht zusätzliche Mittel locker, um die Leistung toter Pferde zu erhöhen.
  • Man kauft etwas zu, dass tote Pferde schneller laufen lässt.
  • Man erklärt, dass unser Pferd besser, schneller und billiger tot sei.
  • Man bildet einen Qualitätszirkel, um eine Verwendung für tote Pferde zu finden.
  • Man überarbeitet die Leistungsbedingungen für tote Pferde.
  • Man richtet eine Kostenstelle für tote Pferde ein.

Politiker und Banker sind keine Indianer: Das Pferd ist wirklich tot, und vielleicht ist das sogar eine gute Nachricht….


Antworten

  1. Köstlich dieser Beitrag. Inzwischen gibt es wohl auch spezielle Sattel zu kaufen.

  2. [...] Albert Einstein, „immer wieder das Gleiche zu tun und doch ein anderes Ergebnis zu erwarten.“ Mehr vom Gleichen hilft nicht immer und der ESM und das Fiskalpaket, die dieser Tage durchgewunken wurden, zielen genau darauf ab [...]


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