Wir leben am Ende der Zeit oder doch zumindest in einer besonderen Zeit – so oder ähnlich fühlen es viele Menschen. Aber haben wir dafür wirklich einen Grund oder nehmen wir uns einfach nur zu wichtig? Obwohl wir ja im Grunde nur unsere eigene Lebensspanne wirklich überblicken können, ändert sich doch gerade irgendetwas Grundlegendes (und es wird schneller). Mit einem linearen, rein quantitativ orientierten Zeitverständnis mit gleichen Maßstäben kommen wir nicht weiter, wenn wir das, was gerade geschieht, beschreiben und verstehen wollen. Dennoch tut Wissenschaft genau das und verfehlt deshalb das Phänomen. Wir leben in einer Zeit hoher Ereignisdichte und die Ereignisse sind auch qualitativ anders als noch vor dreißig Jahren. Wir brauchen eine andere Vorstellung von Zeit, wir brauchen eine Zeitvorstellung, die sich an den Maßstäben der Natur, an den Massen des Universums orientiert.
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Nach Newton läuft die Zeit quasi außerhalb des Universums als ein kontinuierlicher Strom immer in eine Richtung – von der Vergangenheit in die Zukunft. Newtons Uhr tickt quasi neben unserem Universum von selbst, unabhängig von den Ereignissen und vom Menschen, vor sich hin. In der vedischen Tradition gibt es dagegen die Vorstellung, dass die Zeitrichtung durch das Einatmen Brahmas in die „normale“ Richtung läuft, atmet er wieder aus, läuft die Zeitrichtung rückwärts. Dem liegt ein rhythmisches und zyklisches Zeitverständnis zugrunde, das Weltalter miteinander zu verbinden vermag. Im Grunde hatten alle Kulturen dieser Welt eine Zeitvorstellung, die sich an den Rhythmen der Natur, den Rhythmen der Jahreszeiten und von Sonne und Mond, orientierte. Die Mayas bilden hier eine bemerkenswerte Ausnahme, denn in ihrem ausgeklügelten Kalendersystem spielen Rhythmen eine Rolle, die sich nur alle paar Tausend Jahre – nicht rein mythologisch, sondern als konkrete Sternkonstellationen – wiederholen. Wie lange muss eine Zivilisation bestehen und welchen Entwicklungsstand müssen Astronomie und Mathematik haben, um einen solchen Kalender selbständig zu entwickeln und ihn zu evaluieren? Die Faszination für den Maya-Kalender hat gute Gründe. Gregg Braden nimmt den Maya-Kalender, um auf dieser Basis eine andere Vorstellung von Zeit zu entwickeln. Die Zeit lässt sich nicht von den Ereignissen lösen, „die Zeit und das, was in ihr geschieht, sind nicht voneinander zu trennen – sie sind Teile derselben Essenz.“ (S. 108) Die Zeit wird fast schon zu einer Art „Stoff“ oder einer „Energie“ innerhalb unseres Raum-Zeit-Kontinuums. Nun, ganz neu ist dieser Gedanke auch in der Wissenschaft nicht, denn der russische Physiker Kosyrev entwickelte diesen Gedanken von anderen Überlegungen ausgehend und mit spannenden Experimenten, bereits im letzten Jahrhundert.
Braden geht jedoch noch einen Schritt weiter und nutzt dabei seine jahrelange Erfahrung als Experte für Mustererkennung: wenn ich nach den grundlegenden Mustern in der Natur Ausschau halte, dann finde ich Fraktale, denen der goldene Schnitt zugrunde liegt. Gilt dieses Muster des Goldenen Schnitts dann auch für die Zeit, die ja nach der ersten Prämisse auch in das Universum gehört?
Braden entwickelt seine Thesen geradezu wissenschaftlich als logischen Schluss und seine Beweisführung sind Berechnungen mit dem „Zeit-Code-Rechner“: Finde den Ausgangspunkt für ein Muster und du kannst berechnen, wann das nächste mal die Rahmenbedingungen gegeben sind, das Muster zu erfüllen. Das gilt für globale Ereignisse wie für persönliche Erlebnisse gleichermaßen – es ist ein berechenbares Ereignismuster. Wenn sie sich jetzt irgendwie angesprochen fühlen, dann sollten sie das Buch kaufen und ihre eigenen Berechnungen vornehmen. Die Idee ist bestechend einfach und klar und (zumindest für mich) evident. Unter www.greggbraden.com können Sie den Rechner schon einmal online testen.
Für Therapeuten und Coaches kann die Arbeit mit dieser Zeitvorstellung einen Sprung in der eigenen Arbeit bedeuten, denn man bekommt zunächst die Denkmöglichkeit, den Ausgangspunkt für destruktive Muster zu erkennen und zu bearbeiten. Kann dieser Ausgangspunkt balanciert werden, richtet sich das ganze System neu aus und wieder ein.
Wer den Ausgangspunkt für das 9/11-Muster findet, wird wahrscheinlich als großer Forscher in die Geschichtsschreibung eingehen, vor allem aber gibt er uns die Möglichkeit, dieses Muster zu ändern. Und vielleicht arbeiten andere ja schon – inituitiv oder ganz gezielt – mit diesem Wissen gegen uns?
Und 2012 – Weltuntergang oder Erleuchtung? Bei Braden tendenziell eher letzteres. Ein aus dem Herzen gelebtes Leben wird direkte Auswirkungen darauf haben, wie wir 2012 erleben. Die Forschungen vom HeartMath-Institut zu diesem Thema werden aber leider eher angerissen als ausgeführt. (deshalb hier der Link: www.glcoherence.org)
Braden hat mit „Fractal Time“ ein smartes Buch geschrieben, stromlinienförmig, immer optimistisch und durchgehend wohltemperiert. Vielleicht muss man so schreiben, wenn man auf der schmalen Grenzlinie zwischen Wissenschaft und neuem Denken/ Esoterik operiert. Vielleicht ist es aber auch eher eine Marketingstrategie oder ein gnadenlos opportunistisches Lektorat. Neue Theorien, besonders wenn sie so basale Vorstellungen wie die Zeit betreffen, werfen geradezu notwendig die eine oder andere unbequeme Frage auf, die sie in diesem Buch tendenziell nicht finden werden. Dennoch sind in diesem Buch auch tiefe Einsichten über das Wesen von Zeit und das Universum in glatten Sätzen versteckt. Diese Diskrepanz hat mich etwas verwirrt zurückgelassen.
Braden, Gregg: Fractal Time Das Geheimnis von 2012 und wie ein neues Zeitalter beginnt
Burgrain (KOHA) 2009
ISBN 978-3-86728-087-7
Preis: 16,95 €

[...] Gregg Braden: Fractal Time. Das Geheimnis von 2012 und wie ein neues Zeitalter beginnt September 2009 3 [...]
Von: 2010 in review « HoriconBlog am 2. Januar 2011
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